Playbook
KI-Content redaktionell prüfen
Dieses Playbook liefert einen fünfstufigen Prüfweg für KI-generierte Texte: Fakten, Quellen, Sprache und Tonalität, Recht sowie Kennzeichnung und Freigabe.
KI-Texte lesen sich oft flüssig, sind aber nicht automatisch korrekt. Gerade die sprachliche Sicherheit verleitet dazu, Aussagen ungeprüft zu übernehmen. Vor der Veröffentlichung braucht jeder KI-Entwurf deshalb eine redaktionelle Prüfung durch einen Menschen, der die Verantwortung für das Ergebnis trägt. Arbeite die Phasen der Reihe nach ab.
Phase 1 – Faktencheck
Der Faktencheck ist die wichtigste und aufwändigste Phase. KI-Modelle erzeugen Aussagen auf Basis von Wahrscheinlichkeiten, nicht auf Basis von Wahrheit. Sie können Zahlen, Zitate und ganze Studien erfinden, die auf den ersten Blick seriös wirken. Jede konkrete Behauptung muss deshalb einzeln überprüft werden.
- Markiere alle konkreten Behauptungen: Zahlen, Daten, Namen, Zitate.
- Prüfe jede Behauptung an einer verlässlichen Primärquelle.
- Behandle erfundene Preise, Benchmarks oder Studien als Ausschlussgrund.
- Streiche unbelegte Superlative und pauschale Versprechen.
KI-Modelle können Quellen, Zahlen und Zitate erfinden, die überzeugend aussehen. Vertraue keiner Angabe, die du nicht selbst an einer Originalquelle bestätigt hast.
Phase 2 – Quellen und Belege
Ein geprüfter Text braucht sichtbare Belege. Leser und KI-Antwortsysteme können nur einordnen, was nachvollziehbar ist. Von der KI genannte Quellen dürfen nie ungeprüft übernommen werden, weil Modelle auch Links und Titel erfinden.
- Ergänze belastbare Quellen für alle zentralen Aussagen.
- Bevorzuge offizielle Dokumentationen, Behördenquellen und Originalpublikationen.
- Prüfe, ob verlinkte Quellen die Aussage tatsächlich stützen.
- Notiere ein Prüfdatum, damit die Aktualität nachvollziehbar bleibt.
Phase 3 – Sprache, Struktur und Tonalität
KI-Entwürfe neigen zu Wiederholungen, generischen Einleitungen und Füllwörtern. Der redaktionelle Feinschliff sorgt dafür, dass der Text zur Marke passt, eine klare Kernaussage früh liefert und ohne Ballast auskommt. Eine logische Überschriftenstruktur hilft Lesern und Suchsystemen gleichermaßen.
| Kriterium | Prüffrage |
|---|---|
| Klarheit | Ist jeder Satz verständlich und ohne Floskeln? |
| Struktur | Folgen Überschriften einer logischen Reihenfolge? |
| Tonalität | Passt der Ton zur Marke und Zielgruppe? |
| Redundanz | Werden Aussagen unnötig wiederholt? |
- Kürze aufgeblähte Passagen und generische Einleitungen.
- Ersetze vage Formulierungen durch konkrete Aussagen.
- Stelle sicher, dass eine klare Kernaussage früh im Text steht.
Phase 4 – Recht und Sorgfalt
Neben der fachlichen Richtigkeit ist die rechtliche und redaktionelle Sorgfalt entscheidend. Dazu gehört, keine eigenen Tests oder Erfahrungen vorzutäuschen, die es nicht gab, und klar zwischen Anbieteraussagen und eigener Einordnung zu trennen.
- Prüfe auf mögliche Urheberrechts- oder Markenprobleme.
- Gib keine vorgetäuschten eigenen Tests oder Erfahrungen aus.
- Trenne klar zwischen Anbieterangaben, redaktioneller Einordnung und eigenen Tests.
- Beachte Kennzeichnungspflichten bei bearbeiteten oder synthetischen Medien.
Phase 5 – Kennzeichnung und Freigabe
Am Ende steht eine bewusste Freigabeentscheidung durch einen Menschen. Transparenz über den KI-Einsatz schafft Vertrauen, und eine klare Verantwortlichkeit stellt sicher, dass niemand ungeprüfte Inhalte veröffentlicht. Erst wenn Fakten, Quellen, Sprache und Recht geprüft sind, geht der Text online.
- Lege fest, ob und wie der KI-Einsatz gekennzeichnet wird.
- Benenne eine verantwortliche Person für die Freigabe.
- Dokumentiere Autor, Veröffentlichungs- und Aktualisierungsdatum.
- Halte offene Punkte und bewusste Auslassungen für die spätere Pflege fest.
- Veröffentliche erst nach vollständiger Prüfung.
Diese fünf Phasen lassen sich als feste Routine in jeden Redaktionsprozess einbauen. Wer sie konsequent anwendet, senkt das Risiko von Fehlinformationen deutlich und macht die Qualität nachvollziehbar – für Leser wie für die eigene Organisation. Die redaktionellen Grundregeln von BOMOTS stehen unter Redaktion und Methodik.
Quellen und weiterführende Informationen
- Google Search Central: Creating helpful, reliable, people-first content. Dokumentation · abgerufen am 06.08.2026
- OECD: Artificial Intelligence. Behördenquelle · abgerufen am 06.08.2026
Häufige Fragen
Darf KI-Content überhaupt veröffentlicht werden?
Ja, sofern er redaktionell geprüft, sachlich korrekt und rechtlich unbedenklich ist. Entscheidend ist die menschliche Verantwortung für das Ergebnis, nicht das Werkzeug.
Muss KI-Einsatz gekennzeichnet werden?
Das hängt vom Kontext ab. Bei synthetischen oder stark bearbeiteten Medien können Transparenz- und Kennzeichnungspflichten greifen. Im Zweifel transparent kennzeichnen.
Wie erkenne ich erfundene Quellen?
Indem du jede Quelle selbst aufrufst und prüfst, ob sie existiert und die Aussage stützt. Nicht auffindbare oder unpassende Belege sind ein Warnsignal.