Techniken

Prompt-Techniken im Überblick

Die wichtigsten Prompt-Techniken sind: Zero-Shot (Aufgabe ohne Beispiel), Few-Shot (Aufgabe mit Beispielen), Struktur (Markdown- oder XML-Abschnitte), Format- und Constraint-Steuerung, Prompt-Chaining (Aufgaben in Schritte zerlegen) und das Arbeiten mit Dokumenten als Kontext. Welche Technik hilft, hängt von der Aufgabe ab.

Zero-Shot, One-Shot und Few-Shot

Diese Begriffe beschreiben, wie viele Beispiele Sie mitgeben:

  • Zero-Shot: Aufgabe ohne Beispiel. Für klare, gängige Aufgaben oft ausreichend.
  • One-Shot: ein Beispiel, das Stil oder Format vorgibt.
  • Few-Shot: mehrere (z. B. 3–5) einheitlich formatierte Beispiele. Besonders wirksam, um Format und Muster festzulegen.

Anthropic, OpenAI und Google nennen gut gewählte Beispiele übereinstimmend als eine der zuverlässigsten Methoden, um Ausgaben zu steuern. Wichtig ist, dass die Beispiele einheitlich formatiert und vielfältig sind.

Kundenanfragen kategorisieren (Few-Shot)

Few-ShotFortgeschritten
Ordne jede Anfrage genau einer Kategorie zu: Rechnung, Technik, Vertrag, Sonstiges.

Beispiele:
„Meine Rechnung ist zu hoch." -> Rechnung
„Die App stürzt ab." -> Technik
„Ich möchte kündigen." -> Vertrag

Anfrage:
„[Text]"
Antwortformat: nur die Kategorie.

Die Beispiele legen Kategorien und Ausgabeformat eindeutig fest – zuverlässiger als eine reine Beschreibung.

Struktur: Markdown und XML-Tags

Bei längeren Prompts hilft es, Bestandteile klar zu trennen – mit Markdown-Überschriften oder mit Tags. Anthropic empfiehlt für Claude ausdrücklich XML-Tags wie <kontext>, <aufgabe> oder <beispiel>, um Anweisung und Material zu trennen. Auch OpenAI und Google empfehlen klare Trennzeichen (Delimiter).

Anweisung und Material sauber trennen (XML)

Struktur / XMLFortgeschritten
<aufgabe>
Fasse den folgenden Text in fünf Stichpunkten zusammen.
</aufgabe>

<einschraenkungen>
Nur Aussagen aus dem Text. Keine eigenen Ergänzungen.
</einschraenkungen>

<text>
[Langer Text hier einfügen]
</text>

Tags verhindern, dass das Modell Anweisung und Inhalt verwechselt – besonders bei langen Eingaben.

Ausgabeformat und Einschränkungen steuern

Sagen Sie klar, wie das Ergebnis aussehen soll: Länge, Struktur (Fließtext, Liste, Tabelle, JSON), Ton und Grenzen. Formulieren Sie dabei möglichst positiv („Antworte in maximal fünf Sätzen") statt nur negativ. Für maschinenlesbare Ausgaben können Sie ein festes Schema vorgeben.

Iteration, mehrstufige Aufgaben und Prompt-Chaining

Komplexe Aufgaben werden zuverlässiger, wenn Sie sie in Schritte zerlegen (Chaining): erst gliedern, dann ausformulieren, dann prüfen. Jeder Schritt ist ein eigener, klarer Prompt. Das erleichtert auch die Kontrolle, weil Sie Zwischenstände sehen.

Artikel in zwei Schritten (Chaining)

ChainingFortgeschritten
Schritt 1: Erstelle nur eine Gliederung (5–7 Überschriften) für einen Ratgeber zum Thema [Thema] für [Zielgruppe]. Noch keinen Fließtext.

(Ergebnis prüfen, dann:)

Schritt 2: Schreibe den Abschnitt „[Überschrift]" in rund 150 Wörtern, sachlich und ohne Werbefloskeln.

Zwischenschritte lassen sich prüfen und korrigieren, bevor viel Text entsteht.

Dokumente als Kontext und langer Kontext

Wenn Sie mit einem Dokument arbeiten, geben Sie es als Kontext mit und weisen Sie das Modell an, sich ausschließlich darauf zu stützen. Bei sehr langen Eingaben empfehlen Anthropic und Google, das Dokument zuerst und die eigentliche Frage danach zu platzieren – und die relevanten Passagen zitieren zu lassen. Grundlagen dazu: Tokens & Kontextfenster und RAG.

Bild- und Coding-Prompts

Bild als Eingabe: Beschreiben Sie präzise, was analysiert werden soll („Welche Bedienelemente sind auf diesem Screenshot zu sehen?"). Bilderzeugung ist Sache spezialisierter Bildgeneratoren. Coding: Nennen Sie Sprache, Ziel, Rahmenbedingungen und bitten Sie um eine kurze Begründung sowie um Tests. Siehe KI-Coding-Tools und Vibe Coding.

Nachvollziehbarkeit statt „geheimer Gedanken"

Chain of Thought richtig einsetzen

Verlangen Sie nicht „zeig mir dein komplettes internes Denken". Das ist weder verlässlich noch nötig. Bitten Sie stattdessen um überprüfbare Dinge.

  • „Nenne die entscheidenden Prüfschritte."
  • „Begründe das Ergebnis kurz."
  • „Prüfe das Ergebnis anhand dieser Kriterien: …"
  • „Zeige die relevanten Zwischenergebnisse (nicht den kompletten Denkprozess)."

Bei neueren Reasoning-Modellen ist explizites „denke Schritt für Schritt" oft überflüssig – sie rechnen intern bereits mehr. Hier hilft eher ein klares Ziel und ein Prüfkriterium als kleinteilige Denk-Vorgaben.

Qualität und Ergebnisse prüfen

Definieren Sie vorab, woran Sie ein gutes Ergebnis erkennen (z. B. „alle fünf Punkte belegt", „keine erfundenen Zahlen"). Lassen Sie bei Faktenfragen Unsicherheiten kennzeichnen. Mehr zur Bewertung: KI-Modelle evaluieren und Halluzinationen.

Redaktion und Prüfung: · Methodik

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Anthropic: Claude Docs – Prompt engineering overview. Offizielle Dokumentation · abgerufen am 07.08.2026
  2. OpenAI: Prompt engineering (API guide). Offizielle Dokumentation · abgerufen am 07.08.2026
  3. Google: Gemini API – Prompt design strategies. Offizielle Dokumentation · abgerufen am 07.08.2026

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Zero-Shot und Few-Shot?

Zero-Shot bedeutet, die Aufgabe ohne Beispiel zu stellen; Few-Shot gibt mehrere Beispiele mit. Few-Shot ist besonders wirksam, um Format und Muster festzulegen. Für einfache Aufgaben genügt oft Zero-Shot.

Wann sollte ich XML-Tags im Prompt verwenden?

Bei längeren Prompts, in denen Anweisung und Material (z. B. ein langes Dokument) klar getrennt werden müssen. Anthropic empfiehlt XML-Tags für Claude ausdrücklich; sie reduzieren Verwechslungen zwischen Inhalt und Anweisung.

Muss ich die KI immer „Schritt für Schritt denken" lassen?

Nein. Bei einfachen Aufgaben ist das unnötig, bei neueren Reasoning-Modellen oft sogar überflüssig. Sinnvoller ist es, überprüfbare Prüfschritte oder eine kurze Begründung anzufordern statt des kompletten internen Denkprozesses.